Angeregte Diskussion im AngestelltenForum

Improvisieren: Ein Müssen oder ein Können?

  • 27.09.2019
  • News

Nach der Sommerpause kamen Kolleginnen und Kollegen aus rund 10 Betrieben am 26. September 2019 zum AngestelltenForum, um sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Arten des Improvisierens es gibt und welche Erfahrungen sie damit in ihrem Arbeitsumfeld machen.

Referentin Dr. Margit Schild, Foto: IG Metall

Kollegen diskutieren über ihre Erfahrung mit dem Improvisieren, Foto: IG Metall

Nach einer kurzen Begrüßung übergab Gewerkschaftssekretärin Susanne Heyn das Wort an die Referentin Dr. Margit Schild, die aus Berlin nach Hannover gekommen war. Seit 20 Jahren unterrichtet und erforscht sie „Improvisation“, beginnend als Landschaftsarchitektin in der universitären Lehre, jetzt als Regisseurin und Kuratorin in künstlerischen Projekten. Ebenso vermittelt sie diese Praxis in verschiedenen Kontexten als Coacherin. 

Neugierig folgten die Kolleginnen und Kollegen Schilds Input, der deutlich machte, dass Improvisation eine wichtige Fähigkeit des Menschen ist. Sie helfe, Spielräume zu finden, wenn Hindernisse auftreten und plötzlich andere Voraussetzungen herrschen, als erwartet. Schild betonte, dass jeder Mensch improvisieren kann, denn es sei eine Grundbedingung menschlichen Handelns und komme in allen Situationen vor. Erfahrungswissen und eine besondere Problemlösungskompetenz würden dabei ad hoc abgerufen. Die Resultate des Improvisierens zeigten sich vielgestaltig, einmal als Notbehelfe (Provisorien), ein anderes Mal als Visionen und neue Ideen für eine offene Zukunft.

Vor diesem Hintergrund skizzierte die Referentin, dass Arbeitgeber*innen in dieser Fähigkeit des Menschen, sich aus drängenden Notlagen improvisierend zu befreien, zunehmend ein Potenzial entdeckten, das sich mit viel Gewinn (aus)nutzen lässt. Denn Beschäftigte, die improvisieren müssen, lernen, noch schneller und effizienter zu arbeiten. Aber wenn ständig „Eisen aus dem Feuer geholt“ werden müssen, verpufft Kreativität und die Ressourcen der Menschen werden verbraucht. Schild verwies darauf, dass dann trotz hoher Aktivität nichts Neues entstehe, die Beschäftigten „Reparaturklempner“ seien und schließlich Widersprüche der Firmenleitung und Arbeitsorganisation abfederten. 

Deshalb müsse erkannt werden, dass Improvisieren zu betrieblichen Innnovationen und zur Verbesserung der Arbeitssituationen der Beschäftigten führe, wenn es als eine wichtige Fähigkeit bewertet werde, die abseits von Routinen Teamgeist, Eigeninitiative und Prozessverständnis schult. Dies sei gerade vor dem Hintergrund schneller technologischer Wandlungsprozesse bedeutsam.

In sich anschließenden Tischgesprächen tauschten die Teilnehmenden ihre betrieblichen Erfahrungen mit dem Improvisieren aus. Schnell war klar, dass ihnen das „Eisen aus dem Feuer holen“ allzu bekannt vorkam. Einige berichteten aber auch von der Möglichkeit, während eines kleinen Teils ihrer wöchentlichen Arbeitszeit (sog. Verfügungszeit) eigene Ideen zu entwickeln. Um das Improvisieren für innovative Prozesse nutzen zu können, brauche es Zeit und vor allem Freiräume, so resümierte eine Kollegin. Es wird lohnend sein, über die dafür notwendigen Rahmenbedingungen weiter zu diskutieren. Über das AngestelltenForum hinaus setzten einige Kolleginnen und Kollegin ihre Gespräche in lockerer Runde fort.